Home
Galerien
Seminare
Roman F. Hümbs
Projekte

-------------------------

Der Goldene Schnitt in der Fotografie mit seinen Facetten

Goldener Schnitt heißt, daß eine Strecke so geteilt wird, daß der größere
Abschnitt sich zur gesamten Strecke in seiner Länge so verhält wie der kleinere
Abschnitt zum Größeren. Wenn man nun bei einer stetigen Teilung die absoluten
Maße betrachtet, ergeben aufsteigend durch Addition zwei hintereinander
liegende Zahlen in der Summe die jeweils nächste Zahl:
2:3, 3:5, 5:8, 8:13, usw.

Der „Goldene Schnitt“, die am häufigsten angewandte Gestaltungsregelregel:
In der Antike als "Maß aller Dinge" bezeichnet.


Aber heute beinahe genauso umstritten. Warum? Nun, in der Fotografie gibt es
keine Regel ohne Ausnahme, Erklärungen lassen sich dafür kaum finden. Ein
Bild muß Wirkung zeigen, eine Geschichte erzählen können.



Erst wenn man diese Regeln beherrscht, kann man davon abweichen.
Folgende Faktoren als Variationen sind denkbar.


Schärfe / Unschärfe
Hell- / Dunkelkontrast
Farbkontrast
Linien
Flächenaufteilung

In den beiden Grafiken zeige ich einmal die idealen Schnittpunkte des
„Goldenen Schnittes“ auf; die rechte Grafik ist eine gern gewählte Alternative,
bringt je nach Motiv nochmals mehr Spannung in das Bild hinein.


Die Schnittpunkte der Linien ergeben jeweils den Punkt, an dem sich das
bildwichtige Motiv befinden sollte. Durch die Variation, nicht exakte
Drittelteilung des Suchers, erhält man interessante Alternative zu der
herkömmlichen Regel. Die grünen Punkte geben die neuen Schnittpunkte
wieder. 12 neue Möglichkeiten sind so zu erhalten. Gerade bei Standardmotiven
hilft uns diese Möglichkeit, einen neuen Betrachtungswinkel zu finden für das
ach so „abfotografierte“ Motiv.

Kleiner Praxis-Tipp dazu:
Ausgeschnitten aus Folie übertragen kann man sich diese Hilfe mitnehmen und
vor das Auge halten, somit den Ausschnitt vorab exakt bestimmen. Mit der Zeit
erübrigt sich diese Methode, man sieht es instinktiv.

Ferner gilt es zu beachten, dass sich bewegende Motive, von den gewählten
Schnittpunkten in das Bild hinein bewegen. Denkbar ungünstig wäre es, die
Motive nach oben zu verlegen, bei der gleichen Richtung der Pfeilangabe.


So baut sich dem Betrachter des Bildes eine positive Spannung im Bild auf.
Zusätzliche Effekte, wie zum Beispiel der Wischeffekt, kann man gestalterisch
mit einbeziehen über eine längere Verschlußzeit oder gar dem Mitzieher.
Damit ist eine Grundlage der Fotografie erreicht.
Das Sehen des eigentlichen Motivs kann niemand einem beibringen. Bis zu
einem gewissen Grad läßt sich Auge schulen, das Erkennen des ein oder
anderen Motivs jedoch läßt sich nicht beschreiben. Viele Faktoren spielen hier
eine Rolle. Möchte ich das Bild gar für einen Wettbewerb, Ausstellung oder nur
für eine Dokumentation benötigen? Erstelle ich eine Serie für eine spätere
Erklärung oder bin ich auf der Suche nach dem Einzelbild? Fragen die sich ein
jeder selber beantworten muß. Man bedenke: an einem Wettbewerb werden
ganz andere Faktoren gestellt als an ein Bild für eine Dokumentation oder gar
eine Ausstellung. Es läßt sich auch nicht mit einem „besser“ oder „falsch“
interpretieren. Wir wachsen auf mit vielen uns umgebenen Bildern. Noch stärker
als bisher werden wir konfrontiert mit einer Bilderflut. Das beeinflusst auch
unser Sehen. Direkt und Indirekt. Versuchen wir neue Wege zu gehen, lernen
aus der gemachten eigenen Erfahrung.

Vergessen sollte man auch nicht, dass dies immer schon möglich war, früher
wie heute. Frei machen sollte man sich auch von dem Gedanken der Industrie,
das ein Kameragehäuse X bessere Bilder erstellt. Nein. Immer der, der durch
das Okular seiner Kamera blickt, und kurz darauf den Auslöser betätigt, erstellt
das Bild. Die Kamera ist nur das Werkzeug, das Hilfsmittel.


In der bildenden Kunst, und dazu gehört auch die Fotografie, wird der Goldene
Schnitt vorrangig deshalb verwendet, um dem Gesamtwerk einen harmonischen
Eindruck zu verschaffen oder um bestimmte Details hervorzuheben.

Ob bereits die Ägypter ihre Pyramiden nach dem Goldenen Schnitt oder nach
anderen geometrischen Prinzipien bauten, darüber streiten sich die Experten
noch heute.

Die Bedeutung des Goldenen Schnitts erkannte Euklid 300 v. Chr. Dieses
Streckenverhältnis bildete später die Grundlage der griechischen Malerei,
Plastik und Architektur. (BeispielI: das Parthenon).

Im Mittelalter hielt man den Goldenen Schnitt gar für "göttlich", er war die
Verkörperung der vollkommenen Schöpfung, in der Renaissance stellte er die
göttliche Logik dar. (Beispiel: Dom von Florenz).

Danach verschwand er als Grundlage der Kunst für einige Zeit, wurde in den
20er Jahren unseres Jahrhunderts von vielen Künstlern angewandt, so z. B.: v
on Le Corbusier in der Architektur und von Piet Mondrian in der Malerei.


Prominente Beispiele im Bildnerischen sind die Mona Lisa von
Leonardo da Vinci und das Selbstbildnis von Albrecht Dürer. Ich stelle bewusst
einmal ein klassisch aufgebautes Portrait-Foto aus unserer Zeit dagegen. Auch
hier ist dieses Prinzip deutlich erkennbar, wobei beim fotografieren dieses
Fotos überhaupt nicht bewusst an dieses Prinzip gedacht wurde. Was wiederum
den Schluss zulässt, dass unser Sehen so geschult ist, dass wir nach "Harmonie"
streben. Selbst in nicht-europäischen Kulturen kann man dieses Prinzip
erkennen.

 

 



Selbstbildnis von Dürer: Auch dem flüchtigen Betrachter wird auffallen, dass
Dürers Kopf mit den wallenden Locken ein regelmäßiges Dreieck bildet.
Zeichnet man dieses ein, so bemerkt man, dass es sich nicht nur um ein
gleichseitiges Dreieck handelt, dessen Spitze mit der Mitte des oberen
Bildrandes zusammenfällt, sondern dass die Basis dieses Dreiecks zugleich die
Höhe des ganzen Bildes genau im goldenen Schnitt teilt.

 

 


Experten oder solche, die meinen, welche zu sein, streiten um die Bedeutung
dieses einst als "göttlich" gepriesenen Verhältnis. In der Mathematik, in der
immer eine eindeutige "Sprache" gesprochen wird, ist der Goldene Schnitt
häufig "das erste und somit einfachste nichttriviale Beipiel im Rahmen
weiterführender Verallgemeinerungen", also ein unumstößliches Gesetz.

Faszinierend ist, dass der Goldene Schnitt seine außer-mathematische
"magische" Anziehungskraft bis heute bewahren konnte. So taucht er doch in
neuen Forschungsbereichen immer wieder auf. Sogar im Bereich der
Metaphysik und der Chaosforschung hat man ihn schon als "letzte Bastion der
Ordnung im Chaos" bezeichnet.

Allein schon deswegen wage ich diesem Gestaltungs- und Seh-Prinzip eine
"goldene" Zukunft vorauszusagen. Dieser Tipp ist eine Gemeinschaftsproduktion
von:

Wolfgang Peter & Roman F. Hümbs

Zurück nach oben

Zurück zu den Tipps



Home
Goldener Schnitt